Hotelmarketing
Hotrec-Positionspapier: 20 Punkte für mehr Fairness von Hotel-Buchungsportalen
27.05.2011
"Mitunter greifen im Internet Wild-West-Methoden des Marketings um sich, die mit Preisklarheit und -wahrheit, aber auch mit partnerschaftlicher Fairness nichts mehr zu tun haben. Hotels in ganz Europa sind besorgt, mehr und mehr die Kontrolle über ihre Preise, Vertriebskanäle und Produkte zu verlieren", erläuterte Hotrec-Präsident Kent Nyström. "Es ist schon bezeichnend, dass die Hotellerie es als Reaktion auf steigenden Druck seitens ihrer Vertriebspartner für notwendig erachtet, Grundprinzipien ihrer unternehmerischen Entscheidungsfreiheit in Erinnerung zu rufen."
Die überwiegend kleinteilig strukturierten Beherbergungsmärkte in Europa sehen sich auf dem Gebiet der digitalen Distribution mit Marktverhalten konfrontiert, das mehr und mehr Hoteliers für unausgeglichen und unfair erachten. Um die Märkte zum Nutzen der Gäste, der Vertriebspartner und der Hotellerie offen und wettbewerbsfähig zu halten, hat Hotrec ein Positionspapier mit den folgenden 20 "Eckpunkten fairen Verhaltens von Hotel-Buchungsportalen" verabschiedet:
- Raten-, Vertriebs- und Produkthoheit verbleibt beim Hotel
- Keine ungenehmigte Nutzung von Hotelmarken z.B. für Suchmaschinenmarketing (SEM), Domainnamen (Grabbing) und andere Formen des Online-Marketings
- Zumindest monatliche Aktualisierung von Bildern, Logos, Inhalten, Hotelnamen und Beschreibungen, die seitens des Hotels zur Verfügung gestellt werden
- Kein verpflichtender Zugriff auf sämtliche Hotel-Angebote (kein "full content")
- Keine Mindestverfügbarkeit oder "Verfügbarkeit des letzten Zimmers" (Last Room Availability - LRA)
- Keine verpflichtende Verfügbarkeitsparität
- Keine verpflichtende Ratenparität
- Keine intransparenten Auktionsmodelle mit Einfluss auf die Positionierung in den Ergebnislisten der Hotel-Buchungsportale ("Biasing")
- Keine automatische Wiederauffüllung von Zimmerkontingenten jenseits der Kontrolle durch das Hotel ("Auto-Replenishment")
- Preisklarheit und -wahrheit beim Suchmaschinenmarketing (SEM)
- Keine Einflussnahme auf Hotelprodukte durch unautorisierte Darstellung auf Auktionsportalen (z.B. Katalogkopien)
- Angemessene Reaktionszeit für monatliche Überprüfung der "No-Shows" und Stornierungen
- Keine Provisionszahlungen für "No-Shows", stornierte Buchungen, Steuern oder nicht im Voraus gebuchte Leistungen
- Meta-Suchmaschinen sollten Hotel-Homepages einbeziehen und sie gleichberechtigt darstellen
- Zusammenarbeit mit qualifizierten Channel-Management Systemen
- Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses muss über alle Vertriebskanäle eine verbindliche Einigung erzielt sein
- Keine Veranstalter-Raten zur Paketierung ("rooms only") frei im Internet verfügbar
- Sofern möglich wird die offizielle Sterneklassifizierung des Hotels angezeigt, eine Suchmöglichkeit nach Hotelsternen wird angeboten
- Sofern Hotelbewertungen eingebunden werden, finden Hotrec's "10 Prinzipien" Anwendung
- Bezeichnungen der Beherbergungskategorien entsprechen der Terminologienorm EN ISO 18513
Das Hotrec-Positionspapier wird am kommenden Montag durch Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA) und Vorsitzender des HOTREC Quality Boards, auch auf dem HSMA Pricing & Distribution Day in Frankfurt am Main präsentiert und zur Diskussion gestellt werden.
Hotrec repräsentiert Hotels, Restaurants und Cafés auf europäischer Ebene. Das Gastgewerbe zählt allein in der Europäischen Union 1,7 Million Unternehmen, von denen 92 Prozent Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten sind. Hotellerie und Gastronomie bieten acht Million Beschäftigungsverhältnisse allein in der EU. Hotrec vereinigt 43 nationale Unternehmens- und Arbeitgeberverbände aus 26 europäischen Ländern.